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Kinderkrankheiten

Kinderkrankheiten

Keuchhusten

Keuchhusten (Pertussis): Akute bakterielle Infektion mit Hustenanfällen, die ihren Namen dem typischen Keuchen verdankt, das am Ende eines Hustenanfalls auftritt. Keuchhusten ist sehr ansteckend und gehört im Säuglingsalter zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten. Er kommt vor allem bei Kindern im Kindergarten- und frühen Schulalter vor, zunehmend aber auch bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Symptome und Leitbeschwerden

Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene:

Bei ihnen fehlen meist "typische" Symptome; möglich sind folgende Beschwerden:

  • Zunächst über 1–2 Wochen "laufende" Nase, uncharakteristischer Husten und leichtes Fieber (katarrhalisches Stadium)
  • Danach schwere Hustenanfälle, die oft auch nachts auftreten und mit Atemnot verbunden sind. Anschließend klingt der Husten über Wochen langsam ab (Rekonvaleszenzstadium)

Babys:

Auch bei Säuglingen sind häufig keine eindeutigen Symptome festzustellen. Fieber ist meist nicht vorhanden. Folgende Beschwerden sind möglich:

  • Uncharakteristischer Husten
  • Möglicherweise Atemstörungen oder Atempausen (Apnoen).

Inkubationszeit. Meist 7–10 Tage und maximal 3 Wochen.

Zeitraum der Ansteckung. Beginnt kurz vor dem Auftreten der ersten Beschwerden und endet 4 Tage nach Beginn der Therapie. Bei Nichtbehandlung besteht die Ansteckungsgefahr 4–5 Wochen.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn

  • die Erkältungssymptome Ihres Kindes nach 1 Woche immer noch nicht abgeklungen sind.
  • der Husten nach einer Woche schlimmer wird.

Heute noch, wenn

  • Beschwerden auftreten, die zu Keuchhusten passen.

Sofort, wenn

  • Sie bei Ihrem Baby Keuchhusten vermuten.
  • Ihr Kind schwere Atemnot hat und/oder blau anläuft.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung/Übertragung

Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst. Bei den meisten Erkältungskrankheiten wird der Husten durch das in den Atemwegen produzierte Sekret verursacht. Beim Keuchhusten dagegen setzen sich die Bakterien in den oberen Atemwegen, in der Luftröhre und in den Bronchien fest, vermehren sich und bilden Gifte. Diese Toxine schädigen die Schleimhäute und Flimmerhärchen sowie das umliegende Gewebe, und lösen entzündliche Vorgänge aus. Zudem reizen sie das Hustenzentrum im Gehirn und sorgen so für die charakteristischen Hustenanfälle.

Die Keuchhustenerreger werden von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen, z. B. über die Atemluft, beim Husten, Niesen, Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs.

Schon Neugeborene können erkranken, da die Abwehrstoffe gegen den Erreger in der Schwangerschaft nicht von der Mutter auf das Kind übergehen. Ohne diese erworbene Immunität (dem sog. Nestschutz) und ohne Impfung liegt das Ansteckungsrisiko bei 70–80 %. Die Immunität nach einer Keuchhustenerkrankung hält etwa 10 Jahre an. Danach besteht die Gefahr, sich neu zu infizieren. Diese Neuinfektion verläuft aber meist milde oder unbemerkt.

Besonders ansteckend ist der Keuchhusten im Anfangsstadium, in dem die Erkrankung oft wie eine normale Erkältung erscheint. Mehrere andere Infektionskrankheiten haben einen ähnlichen Verlauf wie Keuchhusten, z. B. die durch Parapertussis-Bakterien, Adeno-Viren oder RS-Viren ausgelösten Luftwegeinfekte.

Risikofaktoren

Ein unzureichender oder fehlender Impfschutz stellt ein hohes Ansteckungsrisiko dar, vor allem, wenn in der Familie Erwachsene und weitere Kinder ohne entsprechenden Impfschutz leben.

Verlauf

Der Krankheitsverlauf lässt sich in 3 Stadien einteilen:

Stadium catarrhale (Erkältungsphase, Dauer 1–2 Wochen): In dieser Anfangsphase zeigt das Kind leichte Erkältungssymptome wie Husten und Heiserkeit, Schnupfen, manchmal eine leicht erhöhte Temperatur, Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder Entzündung der Bindehaut des Auges (Konjunktivitis). Das Kind ist hochansteckend.

Stadium convulsivum (Anfallsphase, Dauer 4–6 Wochen: In der 2. Phase ist das Fieber meist abgeklungen. Das Kind hat (vor allem nachts) stakkatoartige heftige trockene Hustenanfälle, die häufig mit dem typischen keuchenden Einziehen der Luft enden. Dabei streckt es die Zunge vor, das Gesicht läuft rot bis blau an, und es droht dabei fast zu ersticken. Diese Attacken treten innerhalb von 24 Stunden bis zu 50-mal auf. Am Ende einer Hustenattacke würgt das Kind glasigen Schleim heraus; manchmal muss es sich auch erbrechen. Es folgt eine längere Pause ohne Husten. Meist hat das Kind keinen bis wenig Appetit und schläft schlecht oder gar nicht. Mögliche Begleiterscheinungen der Hustenattacken sind Muskelkater, Bauch- und Kopfschmerzen, Nasenbluten, Zungenbandgeschwüre, aber auch geplatzte Äderchen in der Bindehaut des Auges (Petechien) oder (im Extremfall) Leisten- sowie Rippenbrüche.

Stadium decrementi (Erholungsphase, Dauer 1–2 Wochen): Im 3. Krankheitsstadium werden die Hustenattacken schwächer und seltener und klingen schließlich ab. Bis zur Ausheilung vergehen bis zu 3 Monate.

Auch danach besteht die Gefahr, dass ein ähnlicher Reizhusten, bedingt durch kalte Luft, körperliche Anstrengung oder Zigarettenrauch, wieder auftritt; dies ist jedoch kein Rückfall der Keuchhustenerkrankung, sondern Folge der geschädigten Bronchialschleimhäute.

Komplikationen

Häufigste Komplikationen des Keuchhustens sind eine Mittelohrentzüung (Otitis media) oder eine Lungenentzündung (Pneumonie), vor allem im 1. Lebensjahr. Als Spätfolgen des Keuchhustens sind allergische Erkrankungen oder Asthma bekannt.

Von schweren und komplizierten Verlaufsformen sind vor allem Neugeborene und Säuglinge betroffen. Sie haben oft keine typischen Hustenattacken, sondern piepsen nur. Da sie sich zum Abhusten nicht von selbst aufsetzen können, drohen Erstickungsanfälle und lebensbedrohliche Atemaussetzer (Apnoe-Anfälle). Als seltene Folge des Sauerstoffmangels durch die Apnoe-Anfälle oder durch die Gifte des Keuchhustenbakteriums droht eine dauerhafte Schädigung des Gehirns mit Lähmungen, Seh-, Hör- oder geistigen Behinderungen.

Diagnosesicherung

Die charakteristischen Hustenanfälle, ausgelöst durch den Druck mit dem Spatel auf die Zunge, weisen eindeutig auf eine Keuchhustenerkrankung hin. Der Arzt wird zusätzlich nach einem fehlenden oder nicht ausreichenden Impfschutz sowie nach dem Kontakt zu Erkrankten fragen.

Wenn bei älteren Kindern und Jugendlichen die klassischen Symptome wie Atemaussetzer oder keuchende Atmung fehlen, sind weitere Untersuchungen nötig.

Aber auch wenn Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern vorhanden sind, sollte eine Labordiagnostik zur Sicherung herangezogen werden, um andere infektiöse Erkrankungen auszuschließen.

Kulturnachweis. Die Bakterienkultur aus dem Abstrich aus dem hinteren Nasen-Rachen-Raum, möglichst im Anfangsstadium oder zu Beginn der 2. Krankheitsphase, weist das Bakterium direkt nach. Die Anzüchtung in der Bakterienkultur gelingt aber nur in der Hälfte der Fälle, da die Keuchhustenbakterien sehr empfindlich auf kühle und trockene Umgebung reagieren, zudem dauert sie 3–5 Tage und hat deshalb für die Entscheidung über die Ersttherapie keine Bedeutung.

Erregernachweis. Eine moderne und auch zuverlässige Diagnose gewährt der Nachweis von Erbgut aus den Keuchhustenbakterien über die Polymerase-Kettenreaktion (PCR, Polymerase Chain Reaction) aus dem Sekret des Nasen-Rachen-Raumes. Die Erbsubstanz von Krankheitserregern lässt sich innerhalb von 1 Tag sicher nachweisen.

Blutbild. Ergänzend entnimmt der Arzt Blut. Typische Veränderungen zeigt v. a. das Differenzialblutbild mit einer Vermehrung der weißen Blutkörperchen.

Behandlung

Die Therapie der Wahl besteht aus Antibiotika wie Erythromycin (40–50 mg/kg KG), Azithromycin (10–12 mg/kg KG) oder Clarithromycin (15–20 mg/kg KG), die über 14 Tage eingenommen werden. Allerdings kann dadurch die Dauer des Hustens nur im Anfangsstadium abgekürzt werden. Beginnt die antibiotische Behandlung erst im späteren Stadium (Stadium convulsivum), helfen Antibiotika kaum noch, da sie die hustenauslösenden Giftstoffe nicht abbauen. Immerhin wird aber die Ansteckungsfähigkeit bekämpft, sodass eine antibiotische Behandlung für Menschen in der Umgebung vorbeugend wirkt. Kinder dürfen 4 Tage nach Beginn der antibiotischen Behandlung wieder in den Kindergarten oder in die Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtungen gehen.

Kinder mit schwerer Symptomatik werden in das Krankenhaus eingewiesen, um sie wegen der drohenden Atempausen über einen Monitor zu überwachen. V. a. Säuglinge sollen in einem Krankenhaus überwacht werden, um auf Komplikationen schnell zu reagieren, immerhin sterben bis zu 2 % der betroffenen Säuglinge durch Ersticken.

Bei einem schweren Krankheitsverlauf werden ergänzend auch Kortikosteroide oder das sympathische Nervensystem stimulierende Medikamente (Sympathomimetika) wie Salbutamol gegeben, um die Symptome zu erleichtern. Der Nutzen dieser ergänzenden Medikamente ist aber noch nicht gesichert.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Isolierung. Um andere zu schützen, sollten kranke Kinder räumlich von Geschwistern, aber auch von älteren Menschen getrennt werden.

Zuwendung. Während der Hustenattacken sollte das Kind beruhigt werden. Auch frische Luft ist hilfreich. Spaziergänge und ruhiges Spielen lenken ab.

Ruhe. Das kranke Kind darf sich körperlich nicht anstrengen, da dadurch oft ein erneuter Hustenanfall ausgelöst wird.

Aufrecht hinsetzen. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind während der Hustenanfälle aufrecht und mit leicht vorgebeugtem Kind sitzt! Dadurch funktioniert das Abhusten leichter.

Inhalation. Bei älteren Kindern lindern regelmäßige Inhalationen mit heißem Wasser und ein paar Teelöffeln Meersalz die Beschwerden. Entweder nimmt man dazu eine Schüssel, über die das Kind inhaliert, oder man verwendet ein Inhalationsgerät aus der Apotheke. Für kleine Kinder eignet sich diese Methode aufgrund der Gefahr des Verbrühens nicht.

Luftfeuchtigkeit. Günstig wirkt sich eine Luftfeuchtigkeit von 40 % aus, die man durch bereitstehende Wasserbehälter, Luftbefeuchter oder das Verkochen von Wasser erreicht.

Essen und Trinken. Grundsätzlich sollen kranke Kinder reichlich trinken, um den trockenen Husten zu lindern.

Zitronen-Brust-Wickel. Ein warmer Brustwickel mit Zitronensaft wird am besten vor dem Schlafengehen aufgelegt. Geben Sie dafür die Zitronenscheiben auf ein warmes feuchtes Frotteehandtuch. Falten Sie dies in Längsrichtung zusammen und legen es quer über den Brustkorb des auf dem Rücken liegenden Kindes. Die Arme sind dabei erhoben. Sie können die Zitrone auch unter heißem Wasser in einer Schüssel aufschneiden und kräftig drücken, um die ätherischen Öle freizusetzen. Ein Baumwolltuch in der Flüssigkeit tränken, ausdrücken und noch feucht auf die Brust legen. Mit einem Handtuch, einer Wärmflasche und der Bettdecke abdecken.

Thymian. Auch Thymian soll Beschwerden lindern, sowohl als Brustwickel, Badezusatz, aber auch zusammen mit anderen Kräutern als Tee. Für den Thymiantee zum Lindern der Hustenanfälle mischen Sie je 30 g Thymiankraut, Sonnentaukraut und gequetschte Anisfrüchte. Übergießen Sie 1 Teelöffel dieser Mischung mit heißem Wasser und lassen den Tee 20 Minuten ziehen.

Geeignete Medikamente

Hustenmittel vermindern den Husten nicht. Sehr zähe Schleimbildung wird durch schleimlösende Medikamente leicht abgemildert.

Komplementärmedizin

Homöopathie. Aufgrund der Gefährlichkeit der Erkrankung wird in der Akutphase von Homöopathika abgeraten.

Prävention

Impfung, Kind. Eine gut verträgliche Impfung ist Teil der Regel-Kinderimpfungen mit Kombinationsimpfstoffen, die gleichzeitig gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphterie, Kinderlähmung, aber auch gegen Haemophilus influenza Typ b (HiB) und Asthma immunisieren. Eine bereits durchgestandene Keuchhusteninfektion bedeutet keine lebenslange Immunität. Da der Impfschutz nur 5–10 Jahre anhält, sind Auffrischungsimpfungen notwendig. Die Ständige Impfkommission (STIKO) gibt folgende Impfempfehlungen gegen Keuchhusten, aufgeteilt nach Lebensalter:

  • 2, 3 und 4 Monate: 1.–3. Impfung
  • 11–14 Monate: 4. Impfung zur vollständigen Grundimmunisierung
  • 5–6 Jahre: 1. Auffrischungsimpfung mit einem Impfstoff gegen Tetanus, Diphterie und Keuchhusten (sog. Tdap-Kombinationsimpfstoff)
  • 9–17 Jahre: 2. Auffrischungsimpfung

Ältere Kinder, die keine Grundimmunisierung besitzen und auch noch keinen Keuchhusten durchgemacht haben, erhalten einen Kombinationsimpfstoff gegen Keuchhusten, Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie und Kinderlähmung (Polio). Grund für die Kombinationsimpfung ist auch, dass es derzeit für diese älteren Kinder noch keinen zugelassenen Mono-Impfstoff gibt.

Impfung, Umfeld. Die STIKO empfiehlt, dass bereits vor der Geburt eines Kindes auch die Geschwister, Großeltern oder andere zum familiären Umfeld zählende Personen wie Tagesmutter (wieder) geimpft werden.

V. a. Frauen im gebärfähigen Alter sollten sich grundsätzlich gegen Keuchhusten impfen lassen oder die Impfung auffrischen, sofern die letzte Impfung mehr als 10 Jahre her ist.

Ein vielversprechender Ansatz in Großbritannien ist, alle Schwangeren zwischen der 28. und 38. Schwangerschaftswoche gegen Keuchhusten zu impfen – die über die Plazenta auf das Kind übertragenen Antikörper schützen offenbar so effektiv, dass die Keuchhustenfälle um über drei Viertel zurückgehen.

Informieren Sie vor dem Arztbesuch das Praxispersonal über den Verdacht auf Keuchhusten, damit dort Maßnahmen zum Schutz anderer vor einer Ansteckung getroffenen werden.

Masern

Masern (Morbilli): Hoch ansteckende Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Masern-Virus (Briarcus morbillorum), die meist im Kindesalter auftritt. Auch Erwachsene erkranken an Masern, wenn sie bislang noch keine Masern hatten und nicht geimpft sind. Masern, Mumps und Röteln sind durch die für alle Kinder empfohlene Schutzimpfung selten geworden, dennoch wurden in Deutschland 2015 fast 2500 Fälle, und 2017 knapp 930 Masern-Fälle gemeldet. Ursache hierfür ist die in Deutschland beträchtliche Zahl nichtgeimpfter Kinder.

Symptome und Leitbeschwerden

Katarrhalisches, Prodromal- oder Vorstadium (2–3 Tage):

  • Hohes Fieber (2–4 Tage)
  • Allgemeine Erkältungssymptome mit (trockenem) Husten, Schnupfen, Halsbeschwerden
  • Allgemeine Krankheitszeichen wie Abgeschlagenheit, Kopf- und Bauchschmerzen und Müdigkeit
  • Aufgedunsenes Gesicht
  • Geschwollene, tränende Augen, gerötete Augenbindehäute, Lichtempfindlichkeit
  • Koplik-Flecken (weiße Flecken an der Wangeninnenseite)
  • Himbeerzunge.

Exanthematisches oder Hauptstadium (5–6 Tage):

  • Nach kurzem Abfall der Temperatur steigendes Fieber (bis zu 40 °C), nach 1 Woche sinkende Temperatur
  • Stärkere Symptome als im Vorstadium
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Typischer Hautausschlag (Masern-Exanthem) zunächst hinter den Ohren, danach im Gesicht, auf dem Oberkörper und den Extremitäten, der dunkelrot bis bräunlich wird
  • Anschließend leichte Schuppenbildung.

Inkubationszeit. 8–12 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. Bis 5 Tage nach Beginn des Ausschlages.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Sie bei Ihrem Kind Masern vermuten.

Heute noch, wenn

  • oben genannte Beschwerden auftreten oder nach einer Besserung erneut auftreten.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind einen steifen Nacken hat oder Krämpfe bekommt oder nicht mehr ansprechbar ist, da diese Symptome auf eine Hirnhautentzündung hindeuten.
  • sich die Atmung verändert oder sich die Nasenflügel beim Atmen sichtbar weiten; hier besteht die Gefahr einer Lungenentzündung!
  • Ihr Kind an Haut oder Schleimhäuten dunkelrote Flecken bekommt; dabei handelt es sich meist um Hautblutungen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung/Übertragung

Masern-Viren werden über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Die keimhaltigen Sekrettröpfchen des Erkrankten werden beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft geschleudert. Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut dringen die Viren in den Blutkreislauf des Gesunden ein. Auch durch den direkten Kontakt mit dem Sekret beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs besteht die Gefahr, dass sich der Gesunde ansteckt. Fast 100 % der gesunden, nicht geimpften Personen, die Kontakt zu einem Kranken hatten, infizieren sich und sind nach einer überstandenen Erkrankung lebenslang immun.

Verlauf

Nach der Inkubationszeit zeigt sich die Masern-Erkrankung zunächst durch ein etwa 3 Tage dauerndes Vorstadium mit Fieber bis 39 °C, Husten, Schnupfen und Halsbeschwerden. Auffällig ist dabei die Rötung der Augenbindehäute, die "verschwollenen" Augen sowie die weißlichen, kalkspritzerartigen Flecken an der Wangeninnenseite gegenüber den Backenzähnen (Koplik-Flecken).

Nach einer kurzzeitigen Besserung steigt das Fieber auf bis zu 40 °C. Dem Kind geht es schlecht; die Lymphknoten am ganzen Körper schwellen an, und es zeigt sich der typische Hautausschlag: hochrote, zunächst ganz kleine erhabene Fleckchen, die rasch größer werden und zusammenfließen. Die Flecken sind teils blutig unterlaufen. Der Ausschlag beginnt meist im Gesicht und hinter den Ohren und breitet sich dann über den Körperstamm sowie über Arme und Beine aus. Nach 4–7 Tagen verblasst der Ausschlag, und das Fieber sinkt.

Die Phase der Erholung dauert etwa 2 Wochen, sofern keine Komplikationen auftreten.

Komplikationen

Meistens heilen die Masern problemlos aus. Dennoch sind sie komplikationsträchtig:

  • Ungefähr 1 % der betroffenen Kinder bekommt einen Masern-Krupp, eine Kehlkopfentzündung, die aber meist mild verläuft.
  • Genauso häufig ist eine Mittelohrentzündung. Sie heilt ebenfalls meist ohne Folgeschäden.
  • Gefährlicher ist die Lungenentzündung, die oft im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt werden muss und bei 1 % der an Masern Erkrankten vorkommt. Eine früh einsetzende Lungenentzündung wird meist durch die Masern-Viren selbst hervorgerufen, eine später auftretende hingegen durch Bakterien, die sich auf die geschädigte Schleimhaut setzen.
  • 1–2 von 1000 Masern-Kranken entwickeln eine Masern-bedingte Gehirnentzündung (Masernenzephalitis) mit Kopfschmerzen, extremer Müdigkeit, Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen und Nervenausfällen. Sie heilt nur bei etwa 60 % der Patienten vollständig aus. Bei 20–30 % bleiben Dauerschäden am Gehirn zurück; bei 10–20 % verläuft die Masernenzephalitis sogar tödlich (Details zur Gehirnentzündung).
  • Sehr selten, aber gefürchtet ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die etwa 6–8 Jahre nach der Masern-Infektion auftritt und tödlich ist. Gefährdet sind vor allem Säuglinge.

Diagnosesicherung

Die charakteristischen Krankheitszeichen wie der Hautausschlag oder die Koplik-Flecken an der Wangenschleimhaut weisen eindeutig auf eine Masern-Erkrankung hin. Dennoch sind Bluttests wichtig, z. B. um Röteln, Ringelröteln oder Scharlach auszuschließen.

Antikörpernachweis. Aus einer Blutprobe werden Antikörper gegen das Masern-Virus im Blut oder Speichel nachgewiesen. Diese sind meist bereits innerhalb der ersten 3 Tage nach dem Auftreten des Hautausschlages messbar.

Erregernachweis. Eine schnellere und zuverlässige Diagnose gewährt der direkte Virusnachweis, die PCR (Polymerase Chain Reaction = Polymerase-Kettenreaktion). Aus dem Sekret des Nasen-Rachen-Raumes, aber auch aus dem Urin, lässt sich die Erbsubstanz von Krankheitserregern nachweisen. Allerdings ist dieses Verfahren selten erforderlich.

Behandlung

Da es keine spezifische antivirale Therapie gibt, die gegen das Masern-Virus wirkt, beschränkt sich die Behandlung auf die Linderung der Beschwerden sowie auf die Früherkennung und Behandlung von Komplikationen.

Bei Masern-Krupp sind in aller Regel Inhalationen mit Kochsalzlösung ausreichend.

Kommt es durch die geschwächte Abwehr zusätzlich zu weiteren Infektionen mit Bakterien, z. B. zur bakteriellen Mittelohr- oder Lungenentzündung, sind evtl. auch Antibiotika notwendig.

Prognose

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, denn von 10.000 Masern-Erkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren verläuft 1 Erkrankung tödlich oder mit schweren Folgeschäden. Gefährdet sind vor allem ungeimpfte Jugendliche und Erwachsene: Bei mehr als 50 % der Masern-Fälle in Deutschland sind heutzutage Jugendliche über 10 Jahre und Erwachsene betroffen. 2014/2015 gab es in Berlin einen großen Masern-Ausbruch mit mehr als 1300 Betroffenen. Ein Viertel von ihnen musste im Krankenhaus behandelt werden und ein Kind starb an der Erkrankung.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Isolation. Um andere zu schützen, sollten kranke Kinder räumlich von den anderen Familienmitgliedern getrennt werden.

Bettruhe und Schonung. Grundsätzlich empfiehlt sich Bettruhe und Schonung. Kranke Kinder bleiben vorsorglich am besten so lange zu Hause, bis alle Krankheitszeichen verschwunden sind.

Abdunkelung. Die meisten Masern-Patienten sind lichtempfindlich. Dunkeln Sie deshalb das Zimmer ab. In dieser Zeit sollte das Kind auch nicht fernsehen.

Ablenkung. Lesen Sie Ihrem Kind vor, lassen Sie es Hörspiele oder -bücher hören, um die Zeit zu vertreiben und es abzulenken.

Flüssigkeitszufuhr. Grundsätzlich ist es hilfreich, wenn fiebernde und schwitzende Kinder reichlich trinken.

Inhalation. Bei älteren Kindern helfen regelmäßige Inhalationen mit heißem Wasser und ein paar Teelöffeln Meersalz gegen den Husten, außerdem bleiben so die Atemwege feucht. Entweder nimmt man dazu eine Schüssel, über die das Kind inhaliert, oder man verwendet ein Inhalationsgerät aus der Apotheke. Für kleine Kinder eignet sich diese Methode aufgrund der Gefahr des Verbrühens nicht.

Hustensaft. Gegen den Husten hilft beispielsweise ein selbst gemachter Hustensaft aus frischem Thymian und Salbei. Mischen Sie davon je 1 Teelöffel mit ¼ l Wasser sowie je 100 g gehackter Zwiebel und Kandiszucker oder braunem Zucker. Lassen Sie diese Mischung so lange köcheln, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Füllen sie sie dann durch ein Sieb in ein Glasgefäß mit Schraubverschluss. Der Hustensaft hält sich im Kühlschrank etwa 5 Tage. Kleinkinder nehmen davon 3-mal täglich 1 Teelöffel, Kindergartenkinder 3-mal täglich 1 Esslöffel, Schulkinder 3-mal täglich 2 Esslöffel.

Zitronen-Brust-Wickel. Auch warme Brustwickel mit Zitronensaft vor dem Schlafengehen lindern den Hustenreiz. Geben Sie dafür die Zitronenscheiben auf ein warmes feuchtes Frotteehandtuch. Falten Sie dies in Längsrichtung zusammen und legen es quer über den Brustkorb des auf dem Rücken liegenden Kindes. Die Arme sind dabei erhoben. Sie können die Zitrone auch unter heißem Wasser in einer Schüssel aufschneiden und kräftig drücken, um die ätherischen Öle freizusetzen. Ein Baumwolltuch in der Flüssigkeit tränken, ausdrücken und noch feucht auf die Brust legen. Mit einem Handtuch, einer Wärmflasche und der Bettdecke abdecken.

Zitronen-Hals-Wickel. Klagt Ihr Kind über Halsschmerzen, schneiden Sie eine ungespritzte Zitrone in Scheiben, schlagen diese in ein Baumwolltuch ein und drücken die Scheiben leicht an. Legen Sie den Wickel um den Hals und befestigen ihn mit einem Tuch. Der Wickel sollte eine ½–1 Stunde aufliegen. Falls der Zitronensaft die Haut reizt, verwenden Sie für den Wickel Quark.

Kühle Waschungen. Bei stark juckendem Hautausschlag empfehlen sich kühle Waschungen, die gleichzeitig gut gegen Fieber wirken.

Komplementärmedizin

Homöopathie. Aufgrund der Gefahr schwerer Komplikationen bei Masern wird in der Akutphase der Infektion von homöopathischen Behandlungsversuchen abgeraten.

Prävention

Isolierung. Infizierte Kinder dürfen solange keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Kinderkrippe, -tagesstätte, -hort oder Schule besuchen, bis alle Krankheitszeichen verschwunden sind und keine Ansteckung mehr möglich ist.

Gesundheitsämter können ungeimpfte Kinder vom Unterricht ausschließen, wenn an einer Schule Masern auftreten, um so eine Übertragung der Masern innerhalb der Einrichtung zu vermeiden.

Impfung. Die einzig wirksame vorbeugende Maßnahme gegen Masern ist die zweimalige Schutzimpfung, die eine lebenslange Immunität gewährt. Bedauerlicherweise lassen viele Eltern ihre Kinder nicht impfen. Die Folge sind deutliche Impflücken, sodass es immer wieder zu Masern-Ausbrüchen mit Todesfällen in Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen kommt.

Die Impfung erfolgt in zwei Schritten: Gegen Ende des 1. Lebensjahres erfolgt eine 3-fach-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Mindestens 4 Wochen später, normalerweise - also zu Beginn des 2. Lebensjahres - folgt die Zweitimpfung, die als 4-fach-Impfung (MMRV) zusätzlich auch einen Impfstoff gegen Windpocken enthält. Erst- und Zweitimpfung bieten einen Schutz vor Ansteckung von 99–100 %.

Diskussion um Nebenwirkungen der Masernimpfung. Die MMR- und die MMRV-Impfung sind beide normalerweise gut verträglich und deutlich weniger riskant als die Masern-Erkrankung.

Es kursieren allerdings Vorwürfe v. a. gegen den MMR-Impfstoff, der unter anderem Autismus verursachen soll. Impfkritiker berufen sich dabei auf einen Artikel des britischen Arztes Andrew Wakefield, der 1998 einen möglichen Zusammenhang behauptete und damit bis heute Eltern verunsichert. Dieser Artikel hatte aber grobe Fehler und wurde deshalb 2010 widerrufen, dem Autor Andrew Wakefield wurde sogar seine ärztliche Zulassung aberkannt.

Auch hat sich der von Impfgegnern als Masern-Impfschaden herangezogene Anstieg von Autismus-Fällen als Folge durch neuere und sensiblere Diagnosekriterien, durch eine verbesserte diagnostische Praxis sowie durch ein gesteigertes öffentliches Bewusstsein für die Autismus-Erkrankung aufklären lassen.

Dennoch treten bei der Masern-Impfung vereinzelt Nebenwirkungen auf:

  • Bei 10 % der geimpften Kinder kommt es vor allem in der 2. Woche nach der Impfung zu sogenannten "Impfmasern". Diese verlaufen wie ein leichter Masern-Infekt mit mäßigem Fieber, flüchtigem Hautausschlag und Erkältungssymptomen. Impfmasern verlaufen milde, sind nicht ansteckend und heilen von allein aus.
  • Bei 5 % der Geimpften kommt es in den ersten 3 Tagen durch die Anregung der körpereigenen Abwehr zu einer schmerzhaften Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Auch kurzfristige Allgemeinsymptome wie Magen-Darm-Beschwerden, eine leichte bis mäßige Temperaturerhöhung, Mattigkeit oder Kopfschmerzen sind möglich, seltener auch Gelenkschmerzen.

Pseudokrupp

Pseudokrupp (Krupphusten, subglottische stenosierende Laryngitis): Eine für das Kleinkindalter typische Form der Kehlkopfentzündung, häufig ausgelöst durch RS-, Adeno- oder Parainfluenzaviren. Unterhalb der Stimmbänder ist die Schleimhaut entzündet und so stark angeschwollen, dass der Luftweg eingeengt wird. Pseudokrupp tritt am häufigsten im Alter zwischen einem halben Jahr und 6 Jahren auf. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen und übergewichtige Kinder öfter als normalgewichtige.

Da früher die Diphtherie auch als "Krupp" bezeichnet wurde, wird diese im Erscheinungsbild ähnliche Form zur Abgrenzung Pseudokrupp genannt.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Trockener, bellender Husten (wie ein Seehund) – meist plötzlich, abends oder nachts beginnend – und Heiserkeit
  • Vorbestehende Erkältungskrankheit
  • Leichtes Fieber
  • Atemnot
  • Hörbare, oft pfeifende Geräusche beim Einatmen (Stridor), keine Schwierigkeiten beim Ausatmen (im Unterschied zum Asthma)
  • Möglicherweise leichte Schluckbeschwerden.

Wann zum Kinderarzt

Am nächsten Morgen, wenn

  • das Kind in der Nacht erstmalig einen Pseudokrupp-Anfall gehabt hat.

Sofort in die Klinik oder den Notarzt rufen, wenn

  • die anfangs leichte bis mäßige Atemnot sich durch Selbsthilfemaßnahmen (siehe "Was Sie als Eltern tun können") nicht bessert.
  • sich das Kind beim Atmen sehr anstrengen muss.
  • sich Lippen und die Gesichtshaut blass oder bläulich verfärben; hier besteht Erstickungsgefahr!
  • das Kind unruhig oder erschöpft und apathisch wird.
  • die Haut über den Schlüsselbeinen und zwischen den Rippen beim Atmen einsinkt.
  • das Kind hohes Fieber oder eine kloßige Sprache hat, oder wenn es nicht mehr schlucken kann und ihm Speichel aus dem Mund läuft; hier könnte eine Kehldeckelentzündung vorliegen.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Als Hauptursache des Pseudokrupps sind normalerweise folgende Viren verantwortlich: Grippeviren (besonders Parainfluenza-Viren), Influenzaviren des Typs A, Respiratory-Syncytial-Viren (RS-Viren), Adenoviren, ECHO-Viren, Röteln- und Masern-Viren.

In selteneren Fällen lösen auch Bakterien wie Staphylokokken und Haemophilus influenzae Typ b oder allergische Reaktionen einen Pseudokrupp-Anfall aus.

Die virusbedingte Entzündung lässt die Schleimhaut unter den Stimmbändern anschwellen und engt die bei Kindern ohnehin noch engen Luftwege ein – das Kind bekommt Luftnot.

Die meisten Kinder haben in ihrem Leben nur 1–2 Pseudokrupp-Erkrankungen. Bei manchen Kindern jedoch tritt der Pseudokrupp häufiger oder auch noch jenseits des 6. Lebensjahres auf. Nicht selten handelt es sich dabei um Kinder, die gleichzeitig auch an Asthma bronchiale leiden.

Risikofaktoren

Witterungseinfluss. Pseudokrupp-Anfälle kommen v. a im Herbst und Winter vor. Der Erkrankungsgipfel liegt in feuchtkalten Monaten.

(Passiv-)Rauchen. Kinder aus "Raucherhaushalten" sind häufiger von Pseudokrupp betroffen.

Luftschadstoffe. Wissenschaftler haben bewiesen, dass Luftverschmutzung durch industrielle oder Autoabgase die Pseudokrupp-Anfälle begünstigt.

Katzenhaare und Hausstaub. Eine Allergie gegen Hausstaubmilben oder Katzenhaare ist nur in seltenen Fällen für einen Anfall verantwortlich.

Belastung der Stimme. Gerade bei Menschen, die viel reden müssen - wie bei Sängern oder auch Lehrern - passiert es bisweilen, dass die Stimmbänder (zu) stark gereizt werden. Als seltene Folge ist dann ein Pseudokrupp-Anfall möglich.

Abgrenzung

Abzugrenzen ist der Pseudokrupp gegenüber der etwa im gleichen Alter auftretenden, allerdings sehr viel schwerer verlaufenden Kehldeckelentzündung (Epiglottitis). Wegen der Impfung gegen Haemophilus influenzae b ist diese bakterielle Entzündung des Kehldeckels heute sehr selten. Im Gegensatz zum Pseudokrupp besteht hohes Fieber; die Kinder sind schwer krank und haben oft starke Schluckbeschwerden sowie eine "kloßige" Sprache. Die betroffenen Kinder müssen rasch vom Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden, da der Kehlkopf lebensgefährlich zuschwellen kann.

Ebenso muss der Pseudokrupp-Anfall von dem lebensgefährlichen "echten" Krupphusten unterschieden werden. Hierbei handelt es sich um Diphtherie. Diese ist allerdings hierzulande extrem selten, seitdem Kinder gegen Diphtherie geimpft werden.

Verlauf

Der Pseudokrupp geht häufig von einer normalen Erkältung aus und entwickelt sich dann zu einer Entzündung der Luftröhre. Diese Entzündung führt zu dem charakteristischen bellenden Husten, der meistens am Abend auftritt, nachdem das Kind bereits ein paar Stunden geschlafen hat. Die meisten Anfälle lassen sich von den Eltern selbst behandeln (siehe "Was Sie als Eltern tun können") und erfordern keinen Arzt. Die Beschwerden erreichen ihren Gipfel nach 1–2 Tagen, in 60 % der Fälle verschwindet der bellende Husten innerhalb von 48 Stunden, im Laufe einer Woche klingen dann alle Beschwerden ab.

Diagnosesicherung

Inspektion und Abhören. Der Kinderarzt stellt die sichere Diagnose aus der Beobachtung der Atmung und der charakteristischen Symptome wie Atemnot und dem bellenden Husten. Zusätzlich wird er die Lunge abhören und den Rachenraum untersuchen.

Blutuntersuchungen und Abstrich. Sie sind nur bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion oder andere Erkrankungen nötig.

Röntgen. Die Frage, ob geröntgt werden soll oder nicht, ist nicht eindeutig geklärt. Sinnvoll ist es, um eine Fremdkörperaspiration auszuschließen, also das Eindringen von Fremdkörpern, die eingeatmet oder verschluckt wurden.

Behandlung

Pharmakotherapie

Kortison. Das Medikament 1. Wahl bei einem Pseudokrupp-Anfall ist ein Kortisonpräparat, entweder als Zäpfchen (z. B. Infectocortikrupp®), Tablette (z. B. Rectodelt®), zur Injektion oder zur Inhalation; meist genügt eine Einmalgabe. Nebenwirkungen des Kortisons sind nicht zu befürchten, da das Medikament nur sehr kurzfristig angewendet wird. Das Kortisonpräparat wirkt erst nach einer Stunde, trägt jedoch dazu bei, einen Rückfall in derselben Nacht oder an den darauffolgenden Tagen zu verhindern.

Adrenalin. Manchmal ist die Inhalation von Adrenalin oder Epinephrin (z. B. in InfectoKrupp® Inhal) notwendig, damit die geschwollene Kehlkopfschleimhaut abschwillt und die Luftwege in wenigen Minuten erweitert werden. Adrenalin wirkt rasch und effektiv, allerdings nur kurzfristig. Nebenwirkungen sind ein schneller Herzschlag und manchmal auch Zittrigkeit, die jedoch von Kindern in aller Regel leicht "weggesteckt" werden.

Sauerstoff. Besteht Erstickungsgefahr, ist eine Sauerstoffgabe notwendig. In seltenen Fällen muss zur künstlichen Beatmung ein Schlauch in die Atemwege gelegt werden.

Weitere Maßnahmen

Sehr selten muss ein Kind mit Pseudokrupp ins Krankenhaus eingewiesen werden, sei es zur Beobachtung oder, in ganz schwierigen Fällen, zur künstlichen Beatmung. Meist verläuft ein Pseudokrupp-Anfall gutartig; nicht selten aber wiederholt er sich in der folgenden Nacht. Deshalb ist es sinnvoll, sich nach einem ersten Anfall Kortisonzäpfchen vom Arzt verschreiben zu lassen, um bei einer Wiederholung sofort einzugreifen.

Prognose

Normalerweise heilt die Erkrankung innerhalb einer knappen Woche aus. Aber: Bekommt das Kind erneut eine Atemwegsinfektion, besteht die Gefahr eines Rückfalls. Mit zunehmendem Alter werden die Rückfälle seltener, bis sie ab einem Alter von etwa 5 Jahren nur noch selten auftreten. Derzeit gibt es keinen sicheren Beweis dafür, dass Kinder mit Pseudokrupp im späteren Alter eher an Asthma erkranken.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Ruhe bewahren. Wichtig ist, dass Sie als Eltern Ruhe bewahren!

Beruhigung. Die Kinder wachen oft nachts mit Husten und Atemnot auf. Am besten beruhigen Sie das Kind. Körperliche Anstrengung und Angst verschlimmern die Atemnot und den Anfall.

Hochheben. Bei leichten Anfällen reicht es oft schon aus, das Kind aus dem Bett zu nehmen, um den hydrostatischen Druck in der Schleimhaut zu reduzieren.

Aufrecht hinsetzen. Macht das Kind pfeifende Geräusche beim Einatmen, sollte es aufrecht im Bett oder auf dem Schoß der Eltern sitzen.

Kühle, frische und feuchte Luft. Gehen Sie mit dem hustenden Kind an ein offenes Fenster oder an die frische Luft. Die kalte Luft lässt die Schleimhäute abschwellen. Wenn das nicht möglich ist, reicht es oft auch, die kühle, feuchte Luft vor einem offenen Kühlschrank einzuatmen.

Schlafumgebung. Zum Schlafen sollte das Kinderzimmer nachts kühl sein (nicht über 16 °C). Ein erhöhtes Kopfteil erleichtert das Atmen; auch eine halbsitzende Schlafposition hilft.

Hinweis: Säuglinge dürfen niemals auf dicken Kopfkissen liegen – es besteht sonst Erstickungsgefahr!

Feuchtwarme Luft. Am besten lässt man heißes Wasser in die Badewanne einlaufen. Der sich entwickelnde Dampf erleichtert das Atmen. Dafür reicht es schon aus, sich mit dem Kind auf den Badewannenrand zu setzen und es tief einatmen lassen. Auch ein Inhalationsgerät gefüllt mit Kochsalzlösung hilft.

Kalte Getränke. Nach dem Anfall sollte das Kind in kleinen Schlucken kühles Wasser oder Tee trinken, aber keine Milch!

Geeignete Medikamente

Hustenmittel wirken beim Pseudokrupp nicht.

Komplementärmedizin

Es sind keine naturheilkundlichen Verfahren mit nachgewiesener Wirkung bekannt.

Homöopathie. Eine Therapie mit Apis D6 (Bienengift) oder Sambucus D6 wird je nach Symptomen eingesetzt. Eine solche Therapie darf aber immer nur begleitend zur pharmakologischen Behandlung (wie Kortisonzäpfchen) angewendet werden und muss vorab mit dem Kinderarzt abgestimmt werden.

Phytotherapie. Die sonst bei Erkältung gut wirkenden Heilkräuter haben beim Pseudokrupp keinen Effekt.

Ätherische Öle. Da ätherische Öle die Schleimhaut reizen und dadurch die Schwellung verstärken, dürfen sie auf keinen Fall inhaliert werden!

Prävention

Virusinfekte der oberen Luftwege lassen sich bei Kindern nie ganz vermeiden. Passivrauchen erhöht nachgewiesenermaßen die Häufigkeit von Erkältungen und belastet die Selbstheilungskräfte der kindlichen Schleimhäute. Deshalb sollte Rauchen in der ganzen Wohnung tabu sein.

Bei anfälligen Kindern, die häufiger einen Pseudokrupp-Anfall haben, sollte die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung und v. a. im Kinderzimmer nicht zu niedrig sein. Gibt es schon Anzeichen für einen Anfall, helfen oft feuchte oder nasse Tücher an den Fenstern.

Ringelröteln

Ringelröteln (Erythema infectiosum): durch das Parvo-Virus B19 ausgelöste, eher seltene Infektionskrankheit, die v. a. Kindergartenkinder betrifft. Ringelröteln sind meist harmlos, bei Infektionen in der Schwangerschaft besteht die Gefahr, dass das Ungeborene geschädigt wird. Ringelröteln kommen v. a. bei Kindern im Alter von 3–8 Jahren vor; Säuglinge und Erwachsene sind normalerweise nicht betroffen, eine Ansteckung ist jedoch möglich. Nach der Infektion besteht vermutlich eine lebenslange Immunität.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Meist Erkältungszeichen, z. B. leichtes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, aber auch Durchfall und Übelkeit
  • Juckender Hautausschlag mit flächiger Rötung beider Wangen ("schmetterlingsförmig"). Ausbreitung oft in einem girlandenförmigen Muster auf den übrigen Körper, v. a. auf die Streckseiten der Arme und Beine
  • Gelenkschmerzen
  • Entzündung der Rachenschleimhaut.

Inkubationszeit. 4–18 Tage bis zum Auftreten des Hautausschlages.

Zeitraum der Ansteckung. 7 Tage vor Ausbruch der Erkrankung und bis zu 7 Tage danach.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag zum Kinderarzt, wenn

  • Sie bei Ihrem Kind einen auf Ringelröteln verdächtigen Hautausschlag beobachten.

Am nächsten Tag zum Frauenarzt, wenn

  • Sie schwanger sind und Kontakt mit einem an Ringelröteln erkrankten Kind hatten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Ringröteln treten alle 4–5 Jahre in kleinen Epidemien vom Spätwinter bis zum Frühsommer auf.

Die Übertragung des Parvo-Virus B19 erfolgt wahrscheinlich über eine Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten oder Sprechen von Mensch zu Mensch. Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut dringen die Viren in den Blutkreislauf des Gesunden ein. Auch durch den direkten Kontakt mit dem Sekret beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs besteht die Gefahr, dass sich der Gesunde ansteckt, ebenso bei einer Bluttransfusion. Das Virus befällt v. a. die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen im Knochenmark.

Die meisten Infektionen machen aber kaum oder gar keine Beschwerden und bleiben unbemerkt. Schon unmittelbar nach der Ansteckung kann die Erkrankung weiter übertragen werden. Mit Auftreten des Ausschlags ist die Ansteckungsfähigkeit so gut wie vorüber.

Klinik

Im unspezifischen Anfangsstadium zeigen sich allenfalls erkältungsähnliche Symptome. Treten Krankheitszeichen auf, so am ehesten der charakteristische Hautausschlag. Er ist nach 2–5 Tagen zu sehen. Der Ausschlag verblasst nach 7–10 Tagen, selten hält er für Monate an. Bei weniger als 10 % der Kinder kommt es vorübergehend zu Gelenkentzündungen, die sich durch Schmerzen an den kleinen Gelenken zeigen; die Gelenkentzündungen sind aber harmlos und hinterlassen keine Folgeschäden.

Verlauf

Wird die Infektion klinisch manifest, lässt sich ihr Verlauf in zwei Phasen einteilen, zwischen denen oft eine Pause von rund einer Woche liegt:

  • Phase 1 (Prodomal- oder Vorphase, Dauer 2–4 Tage): In dieser Phase bekommt das Kind einen leuchtend roten Ausschlag auf den Wangen ähnlich wie ein Sonnenbrand. Außerdem zeigt es eine markante Blässe um den Mund und leichtes Fieber.
  • Phase 2 (Exanthemphase, Dauer 1–4 Tage): charakteristischer Hausausschlag (Exanthem) auf Schultern, Oberarmen, Oberkörper und in einigen Fällen auch auf den Oberschenkeln. Er verblasst nach und nach. Fußsohlen und die Handinnenflächen sind meist nicht betroffen.

Diagnosesicherung

Eine Ringelröteln-Erkrankung lässt sich anhand des charakteristischen Hautausschlags meistens zweifellos erkennen. Ein Arztbesuch dient deshalb oft nur zur Sicherung der Diagnose. Falls nötig, lässt der Arzt durch eine Blutuntersuchung zusätzlich bestimmen, ob es sich um eine Ringelröteln-Infektion handelt.

Komplikationen

Häufige aber letztlich harmlose Komplikation ist ein Anhalten des Ausschlags über Wochen bis Monate. Die Intensität des Ausschlags schwankt, manchmal scheint er auch verheilt zu sein, um bei Sonnenlichtexposition, Hitze, Stress oder körperlicher Belastung wieder aufzutreten.

Ernste Komplikationen bei Ringelröteln betreffen v. a. Kinder mit bestimmten Formen einer Blutarmut, wie etwa der Sichelzellanämie. Dies liegt daran, dass das Virus die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen im Knochenmark befällt. Letztere können dann nicht mehr rasch genug gebildet werden. Als Folge verschlimmert sich die Blutarmut, die sich durch einen erhöhten Herzschlag, Abgeschlagenheit und Blässe bemerkbar macht.

Gefährlicher sind die Ringelröteln für Ungeborene: Da die Erkrankung eher selten ist, haben nur rund die Hälfte aller Schwangeren die Erkrankung durchgemacht. Eine Impfung gibt es nicht – schätzungsweise 50 % aller Schwangeren sind somit ungeschützt. Bei einer Infektion in der Schwangerschaft besteht die Gefahr, dass sich das Ungeborene ansteckt und eine Blutarmut bekommt, die letztendlich zur Fehl- oder Totgeburt führt. Die Gefährdung ist in den ersten 12 Schwangerschaftswochen am größten, in der Mitte der Schwangerschaft löst das Parvovirus B19 häufig Fehlgeburten aus.

Schwangere mit Ringelröteln werden daher wöchentlich vom Gynäkologen mittels Ultraschall untersucht, damit bei einer Blutarmut des Ungeborenen noch vor der Geburt eine Bluttransfusion durchgeführt werden kann.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

  • Bettruhe und Schonung. Die meisten Kinder mit Ringröteln sind nur wenig beeinträchtigt. Bei Fieber, Gelenk- oder Muskelschmerzen empfiehlt sich jedoch Bettruhe und Schonung.
  • Gegen den Juckreiz: Juckt der Hautausschlag sehr, helfen kühle Waschungen – zumindest zeitweise. Gleichzeitig wirken sie gut gegen Fieber. Frei verkäufliche Lotionen (z. B. Lotio alba) aus der Apotheke verschaffen Linderung.

Ärztliche Behandlung

Eine Behandlung der Ringelröteln ist nicht möglich. Der Körper muss das auslösende Virus selbst bekämpfen. Bei Fieber empfehlen sich Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol und Ibuprofen. Die Dosierung richtet sich nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker!

Prävention

Derzeit gibt es noch keine Impfung gegen Ringröteln; es befindet sich zwar ein Impfstoff in der Entwicklung, allerdings wird er in naher Zukunft nicht zur Verfügung stehen.

Vor allem in Kindergärten und Schulen treten Ringelröteln epidemisch auf. Eine Meidung des Erregers ist schwierig, da die Ansteckungsgefahr meist schon vorüber ist, wenn der Ausschlag beim Erkrankten sichtbar wird. Ist bekannt, dass in einer Gemeinschaftseinrichtung Ringelröteln aufgetreten sind, sollten Schwangere diese Orte meiden. Das gilt aber auch für die schwangeren Mitarbeiterinnen einer solchen Einrichtung sowie für schwangere Verwandte oder Tagesmütter! Wichtig ist eine gute Handhygiene, v. a. für Schwangere, die in der Familie oder im Beruf mit kleinen Kindern zu tun haben.

Bei Schwangeren sind möglicherweise Blutuntersuchungen nötig, die zum einen feststellen, ob eine Empfänglichkeit besteht, und zum anderen eine eventuelle Ansteckung nachweisen.

Scharlach

Scharlach (Scarlatina): eine unter Kindergarten- und Grundschulkindern häufige Sonderform der Streptokokken-Angina (Eitrige Mandelentzündung) durch β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, die Blut auflösen können (sog. ß-Hämolyse). Sie zeigt sich v. a. durch eine Hals- und Mandelentzündung und einen charakteristischen Hautausschlag. Diese Streptokokken-A-Infektion gehört weltweit immer noch zu den zehn häufigsten Todesursachen bei Infektionskrankheiten, insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen. Hierzulande verläuft die Erkrankung in aller Regel gutartig, selten treten Spätfolgen durch eine Reaktion des Immunsystems auf.

Symptome und Leitbeschwerden

Scharlach unterscheidet sich weder im Verlauf noch den Leitbeschwerden und Komplikationen von der "normalen" Streptokokken-Angina. Zusätzlich zu den bei der eitrigen Mandelentzündung typischen Halsbeschwerden und dem allgemeinen Krankheitsgefühl treten beim Scharlach jedoch Haut- und Schleimhauterscheinungen sowie weitere Beschwerden auf:

  • Plötzlich schnell steigendes Fieber (um die 40 °C)
  • Hochroter Rachen und hochrotes Zäpfchen, eitrige Beläge auf den Mandeln und geschwollene Halslymphknoten
  • Zunächst gelb-weißlicher Belag auf der Zunge, ab dem 3. bis 4. Tag auffällig rote Zunge mit vielen kleinen Erhebungen (Himbeerzunge)
  • Süßlicher, übler Mundgeruch
  • Sandpapierartiger, dicht stehender und kleinfleckiger Hautausschlag ab dem 2. bis 3. Tag. Er beginnt in der Achsel- oder Leistenregion und breitet sich über den gesamten Körper aus
  • Gerötetes Gesicht und v. a. Wangen, um den Mund herum blasse Haut.

Inkubationszeit. Normalerweise 1–3 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. 1 Tag vor Krankheitsausbruch bis zu 24 Stunden nach dem Beginn der Antibiotikatherapie; ohne Behandlung bis zu 3 Wochen.

Wann zum Kinderarzt

Heute noch, wenn

  • Ihr Kind innerhalb weniger Stunden hohes Fieber und Halsschmerzen bekommt.
  • es Ihrem Kind auch am 3. Tag der Antibiotikagabe nicht besser geht.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind zunehmend teilnahmslos wird.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung/Übertragung

Im Gegensatz zu einer "normalen" Angina wird Scharlach durch Streptokokken-Bakterien der Gruppe A hervorgerufen, die meist über den Nasen-Rachen-Raum eindringen. Im Gegensatz zu anderen Streptokokken-Typen produzieren diese Toxine (= Giftstoffe), die den typischen Hautausschlag hervorrufen. Die Erreger werden über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen, indem sie beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft geschleudert werden. Auch durch den direkten Kontakt mit dem Kranken beim Händeschütteln, Küssen oder bei der Benutzung desselben Essbestecks oder Geschirrs besteht die Gefahr, dass sich der Gesunde ansteckt. Ebenso ist die Infektion durch verseuchtes Wasser oder belastete Lebensmittel möglich.

Verlauf

Durch die vom Streptokokken-Bakterium produzierten Toxine leidet das Kind plötzlich an Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, Erbrechen und oft hohem Fieber. Später zeigt es die typischen Haut- und Schleimhautveränderungen mit einem feuerroten Rachen, fleckig gefärbter Mundschleimhaut, fleckig gefärbten Mandeln und weißem Belag auf der Zunge. Dieser wird nach 3–4 Tagen abgestoßen.

Zwischen dem 2. und 4. Tag beginnt der feinfleckige Ausschlag zunächst in der Leistengegend und an den Innenseiten der Oberschenkel und breitet sich dann über den gesamten Körper aus, nur das Mund-Kinn-Dreieck bleibt ausgespart. Der nicht juckende Ausschlag unterscheidet sich deutlich von den Ausschlägen bei Masern oder Röteln. Unter dem Druck eines Holzspatels verblasst er zeitweise. Nach 1–3 Wochen schält sich die Haut, v. a. an den Handinnenflächen und den Fußsohlen.

Bei anderen Kindern verläuft die Krankheit milder, z. T. ohne die typischen Symptome.

Diagnosesicherung

Inspektion. Oft sind Hautausschlag und Rachenentzündung so charakteristisch, dass der Arzt keine ergänzenden Untersuchungen durchführt (sog. Blickdiagnose).

Abstrich. Bei leichten oder untypischen Verläufen sowie bei Unsicherheit wird ein Abstrich aus dem Rachenraum genommen. Ein anschließender Schnelltest zeigt innerhalb weniger Minuten, ob Streptokokken die Ursache der Erkrankung sind.

Komplikationen

Mandel- und Mittelohrentzündung. Im Allgemeinen verläuft die Erkrankung bei entsprechender Behandlung ohne Komplikationen. Dennoch ist neben der stark eitrigen Mandelentzündung auch eine eitrige Mittelohrentzündung (Otitis media) möglich, die ohne Behandlung der Grunderkrankung zu Schwerhörigkeit führt. Sowohl Mandel- als auch Mittelohrentzündung werden mit Antibiotika erfolgreich behandelt.

Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Breiten sich die Streptokokken über die Mandelregion hinaus aus, entzünden sich die Nasennebenhöhlen. Diese relativ häufige Komplikation lässt sich durch Antibiotika meist problemlos behandeln.

Rheumatisches Fieber. Die Streptokokken führen im Körper zu Abwehrreaktionen – eine im Prinzip sinnvolle Reaktion. Da die Streptokokken jedoch bestimmte Erkennungsmerkmale besitzen, die sich auch auf körpereigenen Zellen befinden, richten sich die Abwehrreaktionen gelegentlich auch gegen den eigenen Körper und führen nach 2–4 Wochen zum heute seltenen rheumatischen Fieber. Als Folge droht eine Herzbeteiligung, die sich schleichend (über Monate bis Jahre) zu teils schweren Herzklappenschäden entwickelt. Auch eine Nierenentzündung ist als Folge des rheumatischen Fiebers möglich. Bei entsprechendem Verdacht untersucht der Arzt die Nieren- und Herzfunktion, sobald die Scharlach-Erkrankung abgeklungen ist. Eine Urinuntersuchung zeigt eine eventuell entstandene Nierenentzündung (Glomerulonephritis).

Blutvergiftung. Dringen die Erreger in großer Zahl in die Blutbahn, verursachen sie den sogenannten Wundscharlach, wodurch eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) droht. Sie beginnt mit hohem Fieber, Erbrechen, Durchfall, Haut- und Schleimhautblutungen, Bewusstseinstrübung, schwerer Herzschädigung und einem Schock. Diese Komplikation ist sehr selten, endet in 30 % der Fälle jedoch tödlich. Hier sind eine rasche Diagnose und eine intensivmedizinische Behandlung überlebensnotwendig.

Abszess der Gaumenmandeln (Peritonsillarabszess). Eine abgekapselte Eiterhöhle (Abszess) in der Mandelregion kommt heutzutage selten vor. Dennoch: Schlägt die Therapie nicht an, klagt das Kind über starke Halsschmerzen und hat Probleme beim Öffnen des Mundes, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. In diesem Fall muss das Kind in ein Krankenhaus, um dort intravenös Antibiotika zu bekommen. Unter Umständen muss der Abszess chirurgisch geöffnet werden.

Lungenentzündung (Pneumonie). Eine Lungenentzündung kommt heute nur noch selten als Folge einer Scharlacherkrankung vor.

Neuropsychiatrische Erkrankungen. Diskutiert wird, ob beispielsweise das Tourette-Syndrom eine Folge der Streptokokken-Infektion ist.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Bettruhe und Schonung. Solange das Kind Fieber hat, empfiehlt sich Bettruhe. Nach Abklingen des Fiebers sollte sich das Kind noch ein paar Tage schonen.

Essen und Trinken. Grundsätzlich sollen kranke Kinder bei Fieber viel trinken. Damit das Kind das Essen besser schlucken kann, sollte auf feste Nahrung verzichtet werden. Empfehlenswert sind stattdessen Suppen, Brühe, Grießbrei, Pudding oder auch Getränke.

Kühle Halswickel. Ein kühler Wickel mit Zitrone oder Quark empfiehlt sich bei akuten Halsschmerzen, einem "feurigen" Gefühl im Hals, bei akuten Schluckbeschwerden oder geschwollenen Lymphknoten. Für den Zitronenwickel schneiden Sie eine ungespritzte Zitrone in Scheiben, schlagen diese in ein Baumwolltuch ein und drücken die Scheiben leicht an. Legen Sie den Wickel um den Hals und befestigen ihn mit einem Tuch. Der Wickel sollte eine ½ bis 1 Stunde aufliegen. Falls der Zitronensaft die Haut reizt, nimmt man stattdessen einen Quarkwickel. Dafür streicht man 150–250 g Magerquark auf die Mitte eines Küchenhandtuchs, faltet die Tuchseiten darüber und legt den Wickel dann möglichst faltenfrei um den Hals. Mit einem Außentuch abdecken. Der Quark kann entweder zimmerwarm oder gekühlt (dann eher dünn aufstreichen) angewendet werden. Lassen Sie den Quarkwickel 2–3 Stunden wirken und entfernen Sie ihn, bevor der Quark trocken ist. Falls Sie weder Quark noch Zitronen vorrätig haben, hilft auch ein Wickel mit kühlem Wasser. Tauchen Sie dazu ein mehrfach in Längsrichtung zusammengefaltetes Leinentuch in kaltes (etwa 18 °C) Wasser, wringen es aus und legen es glatt gestrichen um den Hals, der vom Unterkiefer bis zu den Ohren bedeckt sein soll. Mit einem Handtuch umwickeln. Nach etwa 20–30 Minuten – spätestens aber, wenn der Wickel sich erwärmt hat – wird der Wickel abgenommen und durch ein trockenes Seiden- oder Baumwollhalstuch ersetzt.

Warme Wickel. Ein warmer Kartoffel- oder Zwiebelwickel wird zur Schleimlösung bei länger anhaltenden Halsschmerzen angewendet. Legen Sie für den Kartoffelwickel ein bis zwei ungeschälte heiße Pellkartoffeln in ein längs gefaltetes Küchentuch und zerdrücken diese. So warm wie möglich um den Hals legen (vorher Temperatur an der Innenseite des eigenen Unterarms prüfen) und mit einem Handtuch umwickeln. 2–3 Stunden (bzw. so lange, bis der Wickel abgekühlt ist) liegen lassen. Für den Zwiebelwickel benötigen Sie zwei bis drei fein geschnittene Zwiebeln, die Sie auf ein gefaltetes Küchentuch geben. Eine Pfanne halbvoll mit Wasser füllen und erhitzen, mit einem Deckel abdecken und die "Zwiebelpackung" darauf beidseitig erwärmen. Auch hier gilt: So warm wie möglich um den Hals legen, aber vorher die Temperatur an der Innenseite des eigenen Unterarms prüfen. Lassen Sie den Wickel so lange aufliegen, bis er abgekühlt ist.

Geeignete Medikamente

Zur Linderung von Schmerzen und Fieber dienen Ibuprofen oder Paracetamol. Die passende Dosierung richtet sich streng nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker!

Komplementärmedizin

Homöopathie. Klassisches Mittel der Homöopathie bei Scharlach ist je nach Zustand des Kindes Belladonna D4, 5-mal täglich 5 Tropfen; dieses Mittel sollte jedoch nie die Antibiotikatherapie ersetzen.

Ärztliche Behandlung

Um Folgekomplikationen zu vermeiden und die Schwere der Erkrankung zu mildern, muss Scharlach behandelt werden. Beim klassischen Scharlachverlauf ist eine Antibiotikabehandlung mit Penicillin indiziert, um die Bakterien abzutöten. Die Behandlung dauert immer 10 Tage. Alternativ kommt das breiter wirkende Cefuroxim oder Loracarbef über 5 Tage in Betracht. Auch wenn sich das Kind nach wenigen Tagen schon wieder wohler fühlt, muss es zur Vorbeugung der Streptokokken-Spätfolgen das Antibiotikum über den ganzen Zeitraum einnehmen. Besteht eine Allergie gegen Penicillin, werden andere Antibiotika verschrieben. Bei sehr leichten Verlaufsformen sollte die Antibiotikabehandlung abgewogen werden.

Prävention

Eine Impfung gegen Scharlach gibt es zurzeit nicht. Zwar gab es in der Vergangenheit Impfstoffe, deren Entwicklung jedoch nicht weiter verfolgt wurde, da die Scharlacherreger gut auf eine Antibiotikatherapie ansprechen.

Auch wenn die Ansteckungsgefahr mäßig ist: Nur ca. 20 % der mit einem erkrankten Kind spielenden Kinder stecken sich an. Dennoch sind allgemeingültige Maßnahmen wie bei anderen Erkältungs- und Atemwegserkrankungen sinnvoll: regelmäßiges Händewaschen und möglichst kein enger Kontakt mit Erkrankten, die noch ansteckend sind. Das heißt, dass Scharlach-Kinder von anderen ferngehalten werden. Auch noch gesunde Geschwister sollten Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergarten erst dann wieder besuchen, wenn es der Arzt erlaubt.

Anders als bei vielen anderen Kinderkrankheiten bedeutet eine überstandene Scharlacherkrankung nicht, dass das Kind ein Leben lang gegen die Streptokokken-Bakterien immun ist. Erkrankt es mehr als zwei- bis dreimal in einer "Saison" oder kurz hintereinander, so besteht der Verdacht, dass es sich immer wieder an einer Person in seiner Umgebung ansteckt, die selbst nicht erkrankt ist, den Erreger jedoch im Rachenraum beherbergt. Kann dieser Träger eindeutig ermittelt werden, wird der Arzt einen Rachenabstrich nehmen und ihm 5 Tage Penicillin verordnen.

Windpocken

Windpocken (Varizellen): durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöste Infektionskrankheit, die vor allem Kindergarten- und Grundschulkinder betrifft und typischerweise in den Wintermonaten oder im Frühjahr ausbricht. Windpocken sind so ansteckend, dass 90 % aller 10-Jährigen die Erkrankung durchgemacht haben. Sie hinterlässt eine lebenslange Immunität.

Symptome und Leitbeschwerden

Die Beschwerden scheinen zuzunehmen, je älter das Kind bei der Erkrankung ist.

  • Uncharakteristisches Vorstadium mit Müdigkeit und Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen
  • Fieber (selten über 39 °C) für 3–5 Tage
  • Charakteristischer, unangenehm juckender Hautausschlag von Kopf und Rumpf ausgehend
  • Anfangs hellrote Knötchen, später flüssigkeitsgefüllte Bläschen
  • Nach einigen Tagen und für einige weitere Tage: immer wieder platzen Bläschen, trocknen aus und heilen ab.

Inkubationszeit. 11–21 Tage.

Zeitraum der Ansteckung. Von 1–2 Tagen vor Ausbruch des Ausschlages bis zum Eintrocknen der letzten Blase.

Wann zum Kinderarzt

Heute noch, wenn

  • Sie nicht sicher sind, ob Ihr Kind Windpocken oder eine andere Krankheit hat.
  • Sie den starken Juckreiz bei Ihrem Kind selbst nicht in den Griff bekommen (siehe "Was Sie als Eltern tun können").
  • sich die Haut stark entzündet (Sie bemerken dann zunehmende Schwellung, Rötung und Eiterung).
  • Ihr Kind unter 6 Monate alt ist.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind einen steifen Nacken, Krämpfe oder Gleichgewichtsstörungen bekommt oder teilnahmslos wird, da diese Symptome auf eine Hirnhautentzündung hindeuten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung/Übertragung

Auslöser ist das Varizella-Zoster-Virus, das zur Gruppe der Herpes-Viren gehört. Es wird v. a. durch eine Tröpfcheninfektion übertragen, also beim Husten, Niesen, Sprechen oder Schmusen. Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut dringen die Viren in den Blutkreislauf des Gesunden ein. Hauptsächlich verbreiten sich die Viren durch das Aufkratzen der Bläschen, oder wenn diese von selbst aufplatzen und der Gesunde mit der Bläschenflüssigkeit in Kontakt kommt.

Es ist praktisch fast unmöglich, eine Ansteckung zu verhindern: Ist ein Familienmitglied an Windpocken erkrankt, stecken sich 80–90 % der anderen Familienmitglieder an, sofern sie durch eine vorherige Infektion noch keine Antikörper gebildet haben.

Verlauf

Normalerweise ist der Verlauf der Windpockenerkrankung bei Kindern milde. Bei Kleinkindern, Erwachsenen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem verläuft sie schwerer. Am stärksten sind Fieber und Krankheitsempfinden bei Erwachsenen ausgeprägt.

Der juckende Ausschlag beginnt meist am Rumpf und breitet sich auf den behaarten Kopf, das Gesicht und die Extremitäten aus. Die Handinnenflächen und Fußsohlen sind nicht betroffen. Der Ausschlag besteht zwischen 10 und mehr als 1000 einzelnen Blasen, da die einzelnen Blasen meist nach und nach entstehen. Während manche Blasen schon von Schorf bedeckt sind, sind andere noch mit Flüssigkeit gefüllt (sog. Sternenhimmel).

Diagnosesicherung

Inspektion. Die Diagnose "Windpocken" ist eine Blickdiagnose, d. h. der Arzt erkennt die Erkrankung anhand des typischen Hautausschlages relativ eindeutig. Da dieser anfangs Mückenstichen ähnelt, sollte man einen Tag warten und prüfen, ob die Anzahl der roten Flecken zugenommen hat. Windpocken unterscheiden sich von anderen Kinderkrankheiten wie Masern, Scharlach und Röteln dadurch, dass bei diesen zwar auch rote Hautflecken, aber keine Bläschen zu sehen sind. Ergänzende Untersuchungen sind selten nötig.

Blutuntersuchung. Im Zweifelsfall wird der Arzt spezifische Antikörper im Blut nachweisen.

Erregernachweis. Aus dem Bläschensekret lässt sich das Virus durch PCR (Polymerase Chain Reaction = Polymerase-Kettenreaktion) schnell nachweisen, allerdings ist diese Methode nur in Einzelfällen notwendig, beispielsweise wenn bei einer werdenden Mutter die Geburt wegen einer Windpockenerkrankung künstlich ein paar Tage hinausgezögert oder eine besondere Therapie eingeleitet werden muss.

Komplikationen

Für sonst gesunde Kleinkinder sind Windpocken nur selten gefährlich. Stecken sich ältere Kinder und Erwachsene mit Windpocken an, verläuft die Erkrankung oft mit Fieber, schwerem Krankheitsgefühl und auch starkem Hautbefall. Auch bei Kindern mit einer Neurodermitis kommen wegen der bereits vorgeschädigten Haut schwere Verläufe vor. Abwehrgeschwächte Kinder, z. B. Kinder mit einer Leukämie, können sogar lebensbedrohlich erkranken.

Narbenbildung. Manchmal entzünden sich die Bläschen, beispielsweise wenn ein Kind die Bläschen aufkratzt. Es bleiben dann kleine Narben zurück.

Lungenentzündung (Pneumonie). Diese ernste Komplikation kommt extrem selten vor und tritt etwa 3–5 Tage nach Krankheitsbeginn auf. Erwachsene sind von einer Lungenentzündung deutlich häufiger betroffen als Kinder.

Herz- und Nierenbeteiligung. Diese Komplikationen sind sehr selten.

Entzündung des Großhirns (Enzephalitis) oder Kleinhirns (Zerebellitis). Auch diese ernsten Komplikationen kommen extrem selten vor.

Varizellenembryopathie. Gerade Schwangere Frauen sollten kranke Kinder meiden, denn eine Infektion mit Windpocken bedeutet eine Gefahr für das ungeborene Kind. V. a. vor der 20. Schwangerschaftswoche liegt das Risiko bei 1 %, dass es bei Ungeborenen zu Hirnschäden, Fehlbildungen der Gliedmaßen, Wachstumsstörungen oder einem angeborenen grauen Star (Katarakt) kommt. Ebenso besteht die Gefahr eines Schwangerschaftsabbruchs (Abort).

Neugeborenen-Varizellen. Junge Säuglinge erkranken in der Regel nicht an Windpocken, da sie durch die von der Mutter in der Schwangerschaft übertragenen Abwehrstoffe (Antikörper) geschützt sind. Wenn eine bisher nicht an Windpocken erkrankte Mutter aber 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Entbindung an Windpocken erkrankt, fehlt dem Neugeborenen dieser Nestschutz, und es erkrankt möglicherweise sehr schwer. Aus diesem Grund müssen sie noch vor Ausbruch der Bläschen mit Antikörpern und virenhemmenden Mitteln (Virostatika) behandelt werden.

Mögliche Folge: Herpes Zoster

Wie bei allen Herpes-Viren besteht die Gefahr, dass auch das Varizella-Zoster-Virus nach der akuten Erkrankung im Körper bleibt. Im Laufe des Lebens besteht die Möglichkeit, dass es reaktiviert wird und eine Gürtelrose (Herpes Zoster) verursacht. Hiervon sind besonders Krebspatienten betroffen. Sie erkranken etwa doppelt bis 8-mal häufiger an Gürtelrose als gesunde Menschen. Aber auch Bluthochdruck, Diabetes, Niereninsuffizienz oder rheumatoide Arthritis erhöhen das Risiko, eine Gürtelrose zu bekommen.

Da beide Erkrankungen – Windpocken und Gürtelrose – vom gleichen Virus ausgelöst werden, ist es möglich, dass z. B. die an Gürtelrose erkrankte Großmutter ihren Enkel mit Windpocken ansteckt.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie als Eltern tun können

Isolation. Kinder dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten oder Schule solange nicht besuchen, bis sie fieberfrei sind und der Ausschlag trocken ist, d. h., bis die Blasen von Schorf bedeckt sind.

Zinklotionen. Hauptproblem ist bei Windpocken meist der Juckreiz, der mit frei verkäuflichen Lotionen aus der Apotheke (z. B. Lotio alba) gelindert wird. Gleichzeitig trocknet die Lotion die Bläschen aus und verhindert, dass sich die nässenden Stellen entzünden.

Kleidung. Die Kleidung sollte möglichst locker sitzen und nicht scheuern.

Kühle Umschläge und Waschungen. Auch kurz aufgelegte kühle Umschläge lindern den Juckreiz. Ebenso wirken kühle Waschungen oder ein kurzes Abbrausen mit kühlem Wasser. Auf Bäder sollte verzichtet werden, da die Bläschen im Bad aufweichen und dann leichter aufgekratzt werden (begünstigt die Narbenbildung).

Kühle Zimmertemperatur. Das Zimmer sollte nicht zu warm temperiert sein, denn Wärme und Schwitzen verstärken den Juckreiz.

Windelwechsel. Säuglinge und Kleinkinder sollten häufiger als sonst gewickelt werden, da das feuchtwarme Milieu in der Windel den Juckreiz verstärkt und Entzündungen fördert.

Hautpflege. Kratzen sollte möglichst vermieden werden, um eine Hautinfektion zu verhindern. Um dies zu vermeiden, schneiden Sie am besten die Fingernägel des Kindes kurz. Evtl. helfen auch Handschuhe, damit sich Ihr Kind nicht kratzt.

Geeignete Medikamente

Bei Fieber empfehlen sich Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol und Ibuprofen. Die Dosierung richtet sich streng nach dem Gewicht des Kindes. Fragen Sie dazu Ihren Arzt oder Apotheker!

Komplementärmedizin

Homöopathie. Klassische Mittel der Homöopathie bei Windpocken sind bei Fieber Belladonna D4 und Rhus toxicodendron.

Ärztliche Behandlung

Bei sonst gesunden Kindern ist keine Therapie erforderlich.

Pharmakotherapie

Eine Behandlung mit virushemmenden Medikamenten (Aciclovir) ist nur notwendig, wenn die erkrankte Person über 20 Jahre alt ist, an einer Immunschwäche leidet, eine schwere Neurodermitis hat oder wenn Komplikationen auftreten.

Stört der Juckreiz sehr, verschreibt der Arzt Lotionen (z. B. Tannosynth® oder Anaesthesin®) oder in schweren Fällen Antihistaminika als Tropfen. Diese helfen gegen den Juckreiz und machen zudem etwas müde und sorgen damit für einen besseren Schlaf. Die Anwendung bietet sich deshalb für den Abend an.

Entzünden sich aufgekratzte Bläschen eitrig, verordnet der Arzt Antibiotika. Andere Lokalanästhetika wie Polidocanol (Thesit®) helfen zwar ebenfalls gegen akuten Juckreiz, können aber zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen.

Prävention

Aktive Impfung. Die Impfung gegen Windpocken ab einem Alter von 11 Monaten gehört zu den empfohlenen Regelimpfungen. Seit August 2004 wird die Varizellen-Schutzimpfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen, vorzugsweise als Kombinationsimpfung (4-fach-Impfung) gegen Masern, Mumps und Röteln (MMRV).

Seit Juli 2012 wird empfohlen, die Erstimpfung nicht als 4-fach-Impfung zu verabreichen, sondern den Varizellen-Impfstoff simultan mit dem MMR-Impfstoff an verschiedenen Körperstellen zu impfen. Damit soll das leicht erhöhte Risiko für Fieberkrämpfe vermieden werden.

Viele Kinderärzte sehen die Impfung gegen Windpocken jedoch kritisch: Zu befürchten ist, dass natürliche Windpockeninfektionen immer seltener auftreten und sich dadurch Kinder, die nicht geimpft werden, erst spät anstecken, evtl. sogar erst im Erwachsenenalter oder in der Schwangerschaft. Der Verlauf der Krankheit ist dann schwerer, und es drohen eher Komplikationen.

Die STIKO gibt folgende Impfempfehlungen gegen Windpocken, aufgeteilt nach Lebensalter:

  • 11.–14. Lebensmonat: Erstimpfung erfolgt zeitgleich mit der 1. Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) oder frühestens 4 Wochen danach.
  • 15.–23. Lebensmonat: 4–6 Wochen nach der Erstimpfung wird die 2. Impfung durchgeführt, möglich auch als Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV-Kombinationsimpfstoff). Die Impfung wird nur dann verschoben, wenn eine schwere, behandlungsbedürftige Erkrankung vorliegt.

Passive Impfung. Neben den Aktivimpfungen, die auf die Ausbildung eines Abwehrgedächtnisses zielen, gibt es noch die Passivimpfungen (Passivimmunisierung). Dabei werden dem Körper direkt die fertigen Antikörper (Immunglobuline) gespritzt, die das Immunsystem des Spenderorganismus (Mensch oder Tier) zur Abwehr des Erregers produziert hat.

Während es bei der Aktivimpfung oft Monate dauert, bis der Impfschutz erreicht ist, greifen Passivimpfungen schon nach wenigen Stunden bis Tagen. Sie werden daher v. a. dann eingesetzt, wenn z. B. ein abwehrgeschwächtes, nicht geimpftes Kind oder eine Schwangere Kontakt zu einem Windpockenkranken hatte und nicht abgewartet werden darf, bis der Körper selbst ausreichend Antikörper gebildet hat.

Der Nachteil der Passivimpfung ist allerdings, dass sich die gespritzten Immunglobuline im Blut auch schnell wieder abbauen und der Impfschutz nicht länger als wenige Wochen anhält.